Über mediafiles.at

Die künstlerische Beschäftigung mit elektronischen Bildformen beginnt in Österreich gegen Ende der 60er Jahre, zu einem Zeitpunkt, da unter dem zunehmenden Einfluss technologischer und massenmedialer Entwicklungen umfangreiche Verschiebungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Platz greifen. Diese Verschiebungen führen insgesamt dazu, daß gesellschaftliche Praktiken (damit auch künstlerische) zunehmend als Medienpraxen verstanden werden müssen. Unter diesen Voraussetzungen entsteht um 1970 eine künstlerischer Produktion, die sich durch Cross-Overs, wie man heute sagen würde, zwischen verschiedenen Disziplinen, Gattungen und Genres definiert, und sich in ein starkes Wechselverhältnis zu Alltagskulturen und gesellschaftlichen Entwicklungen unter dem Einfluss von Medientechniken setzt.

"Die elektronischen Medien stehen nämlich vielmehr mit Politik in Beziehung als mit Kunst. In jedem Fall hat die Beziehung eine Veränderung nicht nur der Politik, sondern auch der Kunst ganz generell zur Folge." (Richard Kriesche)

Der Ausgangspunkt für das Projekt mediafiles.at bestand in dem Interesse an diesen Neuformulierungen von künstlerischen Dispositiven unter dem Einfluss einer sich abzeichnenden Mediengesellschaft - nicht unter dem Gesichtspunkt einer rein historischen Archäologie oder der Archivierung, sondern als nach wie vor wichtige und relevante Ausgangspunkte für aktuelle Debatten über Medien, Technologie, Kunst und Kultur. Die Analysen von neuartigen Repräsentationsverhältnissen, die Spaltung und Multiplizierung von Öffentlichkeiten, die Konsequenzen für individuelle Handlungsmöglichkeiten, die kritische Reflexion der Entwicklung von Massenmedien und vieles mehr nimmt seinen Ausgangspunkt in den medienkünstlerischen Arbeiten, wie sie in medaifiles.at vorgestellt werden.

Aus diesem Grund ist mediafiles.at nicht als Archiv oder Datensammlung gedacht, sondern als eine dynamische Topografie von künstlerischen Beiträgen als kulturtechnische Modelle, Konzepte und Operationen. Wir haben versucht, durch die Einführung von inhaltlichen Markierungen dieser Projekte (Schlagworte und Metadaten), deren Bezüge und Verweise auf zwei Ebenen transparent zu machen: auf der Ebene der Beiträge zu einem allgemeinen Verständnis von Medientechniken als Kulturtechniken sowie auf der Ebene der verschiedenen Bezüge der Projekte untereinander: im Mittelpunkt stehen Fragestellungen, die sowohl im Feld der Video- und Fernsehkunst, als auch im Bereich von Radiokunst und Telekommunikationsprojekten verhandelt wurden. Aus diesem Grund finden sich weniger die KünstlerInnen selbst als deren Projekte im Zentrum dieser Topografie: sie bilden in der Datenbank die Schnittpunkte, an denen die Informationen zusammengeführt werden und an denen sich die Überlagerung von Themen, Konzepten, Postionen und Strategien abzeichnet.

mediafiles.at wurde gefördert vom Land Steiermark, Abteilungen für Wissenschaft und Kultur, sowie von der Stadt Graz, Kulturabteilung.